Tabakkonsum, Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung zählen weltweit zu den wichtigsten beeinflussbaren Gesundheitsrisiken. Damit Interventionen in der Bevölkerung wirklich etwas bewirken, braucht es mehr als gute Ideen und Bauchgefühl. Was zählt, sind Maßnahmen, die nachweislich funktionieren. Und genau darum geht es beim evidenzbasierten Arbeiten.
Diese Seite zeigt, wie wir Public Health-Interventionen entwickeln: iterativ, individualisiert und computerbasiert.
Iterativ
Eine wirksame Intervention zu entwickeln ist eine Sache; eine zu entwickeln, die in der Bevölkerung wirkt, eine ganz andere. Wie Ingenieur*innen bei der Konstruktion einer Maschine gehen wir deshalb Schritt für Schritt vor: von der ersten Idee über Testreihen bis hin zum Einsatz. Unser Rahmen dafür ist das ORBIT-Modell.
ORBIT steht für "Obesity-Related Behavioral Intervention Trials" und beschreibt einen iterativen Entwicklungsprozess, der es uns ermöglicht, empirisches Wissen in Interventionen umzusetzen.
Das Prinzip
Ähnlich wie bei der Entwicklung eines Medikaments durchläuft die Intervention mehrere Studienphasen. Auf diese Weise erkennen wir, was funktioniert und wo nachgebessert werden muss. Erst wenn alle Meilensteine einer Phase erreicht sind, geht die Studie in die nächste Phase über.
Mit diesem evidenzbasierten Ansatz erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, dass die Intervention in der Bevölkerung wirklich ankommt und in einer strengen Wirksamkeitsprüfung besteht.
Individualisiert
Individualisierung bedeutet: Interventionen auf individuelle Voraussetzungen und Veränderungsbereitschaft abzustimmen. Und das im Bevölkerungsmaßstab. Dafür nutzen wir gesundheitspsychologische Theorien wie das Transtheoretische Modell. Es hilft uns zu verstehen, wo eine Person im Veränderungsprozess steht, z.B. ob sie noch gar nicht über Veränderung nachdenkt, bereits plant oder schon aktiv ist.
Das Ergebnis
So entstehen Motivierungsstrategien, die Menschen gezielt in ihrer jeweiligen Situation mit der richtigen Botschaft ansprechen und dadurch für alle eine hohe persönliche Relevanz haben.
Entscheidend ist dabei, dass diese Passung nicht intuitiv erfolgt, sondern systematisch auf Basis theoretischer Modelle entwickelt wird. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine nachhaltige Verhaltensänderung.
Computerbasiert
Bevölkerungsweite Interventionen müssen zwei Dinge gleichzeitig leisten: Menschen individuell ansprechen und das bei realistischen Kosten. Computer-Expertensysteme machen genau das möglich.
Was ist ein Expertensystem?
Ein automatisiertes System, das mit einer Person interagiert und ihr personalisiertes Feedback gibt. Es sammelt Informationen, z.B. zur Motivation, und vergleicht sie mit Bevölkerungsdaten. Auf dieser Grundlage gibt es maßgeschneidertes Feedback und Empfehlungen.
Das System arbeitet mit Wenn-Dann-Regeln. Wer motiviert ist, wird ermutigt weiterzumachen. Wer noch zögert, bekommt andere Impulse. Nach mehreren Interaktionen erkennt das System auch Veränderungen und passt sein Feedback entsprechend an.
Kooperationen:
Ausgewählte Forschungsprojekte: