Neues aus der Wissenschaft
WissKomm-Ticker
Seltene Erkrankungen mit einem Tropfen Blut erkennen
Gestörte Blutstillung, große blaue Flecken ohne erkennbaren Grund seit dem Kindesalter: Hierfür kann eine angeborene Thrombozytenstörung verantwortlich sein. Mehr als 70 dieser erblichen Erkrankungen sind bekannt - aber sie sind schwer zu diagnostizieren. Betroffene Patienten haben oft einen Jahrelangen Leidensweg hinter sich, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Greifswalder Forscher haben jetzt eine vielversprechende Methode am Mikroskop entwickelt, bei der bereits Neugeborene mit nur einem Tropfen Blut getestet werden können.
Gesundheitsstudie SHIP: Start der sechsten Untersuchungswelle der ersten Bevölkerungsgruppe
Mit dem Start der neuen Untersuchungswelle SHIP-START-5 beginnt im Greifswalder SHIP-Untersuchungs zentrum im März die sechste medizinische Untersuchungsreihe zur ersten Bevölkerungsgruppe des Pro jektes „Study of Health in Pomerania“ (SHIP). Seit dem Beginn der Langzeitstudie im Jahr 1997 begleiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald mehrere tausend Menschen aus Vorpommern über Jahrzehnte hinweg medizinisch und zahnmedizinisch.
Bekämpfung von Jodmangel in Europa – Greifswalder EUthyroid2-Projekt im European Thyroid Journal
Die Folgen von Jodmangel verursachen enorme Kosten für die Gesundheitssysteme. Das EU-geförderte Projekt „EUthyroid2“ befasst sich mit dem Problem und wird an der Universitätsmedizin Greifswald von Professor Henry Völzke und seinem Team koordiniert. In einem kürzlich veröffentlichten Artikel im European Thyroid Journal skizzierte das Projektteam einen umfangreichen Plan zur Behebung des Jodmangels in Europa.
DFG verlängert Förderung für Greifswalder Graduiertenkolleg PRO
Das Graduiertenkolleg PRO der Universität Greifswald (UG) und der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) erhält eine weitere Förderperiode. Wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) am 27.11.2025 mitgeteilt hat, wird es nun bis 2030 unterstützt. Damit wird der Forschungsver-bund über den maximal möglichen Zeitraum von neun Jahren und mit einer Fördersumme von mehr als 13 Millionen Euro gefördert. Im Mittelpunkt steht die Thematik „Proteasen bei Pathogen und Wirt: Ihre Bedeutung bei Entzündung und Infektion.“
Gicht: Von königlichen Beschwerden zu moderner Forschung in Greifswald
Gicht gilt heute als Volkskrankheit. Lange Zeit wurde vor allem eine ungesunde Lebensweise mit falscher Ernährung als Ursache für quälende Gichtanfälle gehalten. Die moderne Forschung hat jedoch noch mehr Faktoren bestimmen können, die eine Rolle bei dieser Krankheit spielen. Prof. Dr. Jean-François Chenot und Dr. Julia Truthmann von der Universitätsmedizin sprechen in der Universität im Rathaus am Montag, 27. Oktober 2025, über Gicht. Kommen Sie um 17:00 Uhr in den Bürgerschaftssaal im Rathaus; der Eintritt ist frei.
Fortschritt in der Genetik psychischer Erkrankungen
Depressionen und andere psychische Erkrankungen können nicht nur aufgrund verschiedener Umweltfaktoren wie Stress oder frühkindliche Traumatisierungen entstehen. Auch die Genetik eines Menschen kann Einfluss auf die psychische Gesundheit nehmen. Seit fast 15 Jahren unter suchen Forschende der Greifswalder Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, welche Gene besonders beteiligt sind. Mittlerweile arbeiten die Forschungsgruppen rund um Prof. Hans J. Grabe mit großen internationalen Konsortien – bestehend aus verschiedenen Forschungseinrichtungen – zusammen und erlangen in der Wissenschaft immer mehr Aufmerksamkeit. Mit diesem besonderen Forschungsschwerpunkt wurde Grabe zuletzt in die Liste der 1.000 besten Wissenschaftler*innen in der Psychologie weltweit aufgenommen (www.research.com).
Anmeldestart für die WissKon25
Das Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation (NaWik) richtet auch in diesem Jahr die sogenannte WissKon aus. Sie ist die Konferenz für kommunizierende Forschende und findet am 2. Dezember in Karlsruhe statt. Einen Tag lang stehen Networking, Inspiration und neue Impulse rund um die Wissenschaftskommunikation im Mittelpunkt. Eine Anmeldung ist jetzt möglich. Wer keinen Platz ergattern konnte, kann am 2. Dezember auch die einzelnen Vorträge streamen. Alle Infos zum Programm und zur Anmeldung …
Weitere News aus unserem WissKomm-Ticker finden Sie in unserem Archiv.
Forschung im Dialog
Zwei Nachwuchsforschende über ihren ersten DFG-Antrag
Dr. Ruba Al Abdulla vom Institut für Medizinische Biochemie und Molekularbiologie und Dr. Robin Pilz vom Institut für Humangenetik: Zwei Forschende, die zum ersten Mal erfolgreich einen DFG-Antrag gestellt haben. Im Gespräch erzählen sie uns, woran sie forschen und wie man einen solchen Antrag angeht.
„Wir müssen frühzeitig handeln, 5 nach 12 ist es zu spät“
HIOH-Forscherin Prof. Katharina Schaufler spricht im Interview über antibiotikaresistente Keime im Ostseewasser und den dringenden Handlungsbedarf.
Jodstatus: mangelhaft
Prof. Henry Völzke vom Institut für Community Medicine koordiniert eines der großen drittmittelfinanzierten Forschungsprojekte an der UMG: EUthyroid2. Es wird ausschließlich von der Europäischen Union finanziert und soll Maßnahmen gegen den alarmierend hohen Anteil von Jodmangel in europäischen Ländern ergreifen. In einem Interview mit der Deutschen Hebammen Zeitschrift berichtet er vom Jodmangel bei Schwangeren und von politischen Anstrengungen, um die Jodversorgung in Europa zu verbessern. Das Interview kann noch bis zum 14. Oktober kostenlos gelesen werden.
Von der Einwilligung bis zur Pseudonymisierung: die Arbeit der Treuhandstelle
Bereits seit zehn Jahren gibt es an der Unimedizin Greifswald eine unabhängige Treuhandstelle (THS). Während das Datenintegrationszentrum (DIZ) mit medizinischen Daten arbeitet, liegt der Schwerpunkt einer Treuhandstelle bei den identifizierenden Daten. Christopher Hampf ist Entwickler an der THS und erklärt, mit welchen Aufgaben sich eine klassische Treuhandstelle beschäftigt und wie sie eine vernetzte medizinische Forschung über mehrere Standorte in Deutschland ermöglichen wird.
Eine neue Core Unit als Zukunftsprojekt für Präzisionsmedizin
Seit September 2021 ist PD Dr. Josefine Radke Neuropathologin an der Unimedizin Greifswald. Zu Ihren Schwerpunktgebieten gehört die Forschung zu Hirn-Metastasen. Aktuell beschäftigt sie sich mit dem Aufbau einer neuen Core Unit. Was das ist und inwiefern auch andere Fachbereiche der UMG künftig davon profitieren werden, darüber sprach Radke mit uns.
Der Charme von One Health ist Vernetzung
Es ist ein Thema so alt wie die moderne Medizin: Schon Rudolf Virchow und Friedrich Loeffler erkannten, dass es in der Human- und Veterinärmedizin Probleme gibt, die zusammengehören. Virchow entwickelte den Begriff Zoonose, um Krankheiten zu beschreiben, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Was zunächst über viele Jahrzehnte unter One Medicine Concept gefasst wurde, wurde Anfang der 2000er um den Umweltaspekt ergänzt. Daraus entstand der heute in vielfacher Weise verwendete One-Health-Ansatz.
Aus der Forschung in die Gesundheitswirtschaft
Intellectual Property, Patentierung, Ausgründung, Wissens- und Technologietransfer. Was ganz schön technokratisch, zugleich aber auch irgendwie innovativ klingt, wollen wir auf dieser Seite erklären. Denn all diese Begrifflichkeiten begegnen jenen Wissenschaftler*innen, die eine zündende Idee haben und sich diese patentrechtlich schützen lassen möchten. Doch was passiert eigentlich, wenn ich meine Erfindung dem Arbeitgeber gemeldet habe? Wie kann ich meine Idee bestmöglich schützen und in die kommerzielle Verwertung überführen lassen? Gibt es Menschen an der UMG, die mich bei meinem Vorhaben unterstützen können?
Wir haben mit Christian Hentschker und Alexander Reder von der Abteilung Funktionelle Genomforschung gesprochen, die in Sachen Ausgründung bereits viele Wege gegangen sind und ihre Erfahrungen mit uns teilen möchten.
Inklusive Exzellenz in der Medizin
„Inklusive Exzellenz in der Medizin", kurz InkE, heißt das neue Projekt der Unimedizin Greifswald und Universität Greifswald. Übergeordnetes Ziel soll es sein, den Aspekt des Geschlechts mehr ins Bewusstsein von Nachwuchswissenschaftler*innen zu rücken. Dies soll direkte Auswirkungen auf die Behandlungspraxis herbeiführen. Initiiert wurde die Studie von Prof. Sylvia Stracke. Die UMG-live hat die kommissarische Leiterin der Inneren Medizin A zu InkE befragt.
Forschungshighlights
Greifswald prägt europäische Forschung zur Sepsisversorgung
Die auch als Blutvergiftung bekannte Sepsis zählt zu den häufigsten und tödlichsten Notfällen weltweit. Zwei aktuelle Publikationen Greifswalder Forscher zeigen nun eindrücklich, wie groß der Verbesserungsbedarf in der Sepsisversorgung europäischer Krankenhäuser ist. Dazu beschreiben die Veröffentlichungen die Ergebnisse einer umfassenden europaweiten Studie. Mit den beiden Publikationen schaffte das Greifswalder Forschungsteam eine Grundlage für neue nationale und europäische Strategien zur Verbesserung der Sepsisversorgung.
Greifswalder Publikation im internationalen Magazin Advanced Science veröffentlicht
In Mecklenburg-Vorpommern tritt eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) überdurchschnittlich oft auf. Die Grundlagenforschung an der Universitätsmedizin Greifswald untersucht den Krankheitsverlauf, um langfristig gezieltere Therapieansätze entwickeln zu können. Ein hiesiges Forschungsprojekt befasste sich mit der Antwort des Immunsystems bei einer akuten Entzündung, die sich bei einer Pankreatitis komplexer als bisher angenommen herausstellte. Die neuen Erkenntnisse können zu einer gezielteren Entwicklung von Medikamenten beitragen. Die Ergebnisse wurden in der internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift Advanced Science veröffentlicht.
Entdeckung kann Impfstoffe in Zukunft noch sicherer machen
Ein Greifswalder Forschungsteam hat zusammen mit internationalen Partner*innen aus Australien und Kanada herausgefunden wie vermieden werden kann, dass eine Verkettung seltener Umstände sogenannte Hirnvenenthrombosen nach einer COVID-19-Impfung auslöst. Durch die Entdeckung können Impfstoffe in Zukunft noch sicherer gemacht werden. Die Studie wurde nun in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlicht. Bereits auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie 2021 erhielt das Greifswalder Forschungsteam um Prof. Andreas Greinacher weltweite Aufmerksamkeit, als sie die Ursache sehr seltener Blutgerinnsel in den Hirnvenen nach einer Impfung mit Vektor-basierten COVID-19-Impfstoffen erkannten.
Anatomische Gesellschaft prämiert Greifswalder Wissenschaftler*in
Viermal jährlich verleiht die Anatomische Gesellschaft einen Preis für herausragende wissenschaftliche Publikationen. Für das 2. Quartal 2025 wurde nun eine Studie zur Nierenforschung eines Forschungsteams vom Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universitätsmedizin Greifswald prämiert. Die Publikation erschien im Mai dieses Jahres in der Fachzeitschrift Journal of Nanobiotechnology und stellt einen wichtigen Durchbruch für die Entwicklung neuer Behandlungsansätze bei chronischen Nierenerkrankungen dar. Beide Wissenschaftler*innen erhalten nun im nächsten Jahr die Möglichkeit, ihre Arbeit auf der kommenden Jahrestagung der Anatomischen Gesellschaft im Rahmen eines Preisträgersymposiums zu präsentieren und bauen derzeit ihre Forschungen aus.
Wenn der Zusammenbau des Recyclingcontainers fehlerhaft ist
Bisher war bekannt, dass ein gestörter Recyclingprozess von Eiweißen in einer Zelle selbstentzündliche Erkrankungen und neurologische Symptome verursachen kann. Oftmals sind diese selbstentzündlichen, sogenannten autoinflammatorischen Krankheiten auf vererbte Varianten von Genen zurückzuführen. Diese Veränderungen stören den Prozess im Recyclingcontainer einer Zelle, dem sogenannten Proteasom. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Elke Krüger von der Universitätsmedizin Greifswald und dem National Institute of Health aus den USA untersuchte eine neu aufgetretene Veränderung, die schwere Ausprägungen der autoinflammatorischen Krankheit zur Folge hatte. Bei dieser seltenen Erkrankung ist der Recyclingcontainer der Zelle von Geburt an fehlerhaft. Entdeckt wurde nun, dass ein fehlerhaftes Teil dieses Containers dazu führt, dass dieser in seinem korrekten Zusammenbau beeinträchtigt wird. Die Ergebnisse der Studie erschienen jetzt in dem international anerkannten Fachmagazin Annals of the Rheumatic Diseases.
Streik bei der zellulären Müllabfuhr
Wenn die zelluläre Abbaumaschine im menschlichen Körper nicht mehr funktioniert, hat das gravierende Folgen für das Gehirn. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Greifswalder Professorin Elke Krüger hat herausgefunden, dass bestimmte genetische Veränderungen in der Proteinabbaumaschine der Zelle, genannt Proteasom, schwere neuronale Entwicklungsstörungen verursachen können. Diese seltenen Erkrankungen treten bereits im frühen Säuglingsalter auf. Was die neuen Erkenntnisse für die Diagnostik und Therapien solcher Störungen bedeuten und inwiefern sie sich auch auf andere Erkrankungen übertragen lassen, veröffentlichten die Forschenden nun in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications.
Weitere News aus unseren Forschungshighlights finden Sie in unserem Archiv.
Kontakt | Wissenschaftskommunikation
Hauke Meier
Wissenschaftsredakteur Vertretung
Stabstelle Kommunikation und Marketing
Walther-Rathenau-Straße 46 | 17475 Greifswald
Telefon: +49 (0) 3834 86-6521
E-Mail: hauke.meier@med.uni-greifswald.de
Katrin Kleedehn
Wissenschaftsredakteurin
(in Elternzeit)
Stabstelle Kommunikation und Marketing
Walther-Rathenau-Straße 46 | 17475 Greifswald
Telefon: +49 (0) 3834 86-6521
E-Mail: katrin.kleedehnmed.uni-greifswaldde