Klinische Studien sind ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Sie bilden die Brücke zwischen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und einer verbesserten Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankungen. Gerade beim Neuroblastom sind solche Studien besonders wichtig, da es sich um eine seltene Erkrankung handelt und neue Therapiekonzepte nur in internationalen Netzwerken zuverlässig geprüft werden können.
In der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie der Universitätsmedizin Greifswald besteht eine enge Verbindung zwischen klinischem Studienzentrum und Forschungslabor. Dadurch können klinische Beobachtungen direkt wissenschaftlich untersucht werden. Umgekehrt können Laborergebnisse helfen, klinische Studien biologisch besser zu verstehen und neue Fragestellungen für zukünftige Therapien zu entwickeln.
Ein besonderes Beispiel ist die GD2-gerichtete Antikörpertherapie mit Dinutuximab beta. Die Arbeiten aus Greifswald haben zur europäischen Zulassung dieses Antikörpers zur Behandlung des Neuroblastoms beigetragen. Dabei war das Forschungslabor insbesondere für begleitende immunologische Analysen von Bedeutung. Es wurden Verfahren etabliert und angewendet, mit denen die Wirkung des Antikörpers im Blut von Patientinnen und Patienten untersucht werden konnte.
Dazu gehören Analysen zur Antikörperkonzentration, zur Bildung von Abwehrreaktionen gegen den therapeutischen Antikörper sowie funktionelle Tests zur Aktivierung des Immunsystems. Besonders wichtig sind hierbei Untersuchungen zur antikörperabhängigen zellulären Zytotoxizität, kurz ADCC, und zur komplementabhängigen Zytotoxizität, kurz CDC. Diese Methoden zeigen, ob und wie stark Immunzellen oder das Komplementsystem durch die Antikörpertherapie gegen Neuroblastomzellen aktiviert werden.
Neuroblastom-Studien
Prof. Dr. med. Holger Lode war und ist an zentralen europäischen Studien zur Immuntherapie des Neuroblastoms beteiligt. Dazu gehören unter anderem Studien der europäischen SIOPEN-Gruppe, in denen Dinutuximab beta bei Patientinnen und Patienten mit Hochrisiko-Neuroblastom untersucht wurde.
- In der HR-NBL1/SIOPEN-Studie wurde die Rolle von Dinutuximab beta in der Behandlung des Hochrisiko-Neuroblastoms untersucht, unter anderem in Kombination mit oder ohne Interleukin-2.
- In der SIOPEN-LTI-Studie wurde Dinutuximab beta als Langzeitinfusion bei Patientinnen und Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Hochrisiko-Neuroblastom geprüft.
- In der APN311-304-Studie wurde Dinutuximab beta als kontinuierliche Langzeitinfusion ohne zusätzliche Interleukin-2-Gabe bei rezidiviertem oder refraktärem Neuroblastom untersucht.
- In der SIOPEN-Pilot01-Studie wird geprüft, ob Dinutuximab beta bereits während der Induktionstherapie sicher mit Chemotherapie kombiniert werden kann.
- Darüber hinaus beteiligt sich der Standort an frühen klinischen Studien mit innovativen immuntherapeutischen Ansätzen, zum Beispiel Kombinationen aus zielgerichteter Strahlentherapie, Checkpoint-Inhibition und GD2-gerichteter Antikörpertherapie.
Bedeutung für Forschung und Patientinnen und Patienten
Klinische Studien liefern nicht nur Informationen darüber, ob eine neue Therapie wirksam und sicher ist. Sie ermöglichen auch, besser zu verstehen, warum eine Therapie bei manchen Patientinnen und Patienten besonders gut wirkt und bei anderen nicht. Deshalb untersuchen wir begleitend Biomarker, Immunreaktionen und Tumoreigenschaften, die mit Therapieansprechen oder Therapieresistenz verbunden sein können.
Langfristig soll diese Verbindung aus klinischer Studie und begleitender Laborforschung dazu beitragen, Immuntherapien gezielter einzusetzen, Nebenwirkungen besser zu verstehen und neue Kombinationstherapien für Kinder mit Hochrisiko-Neuroblastom und anderen pädiatrischen Krebserkrankungen zu entwickeln.

